Trostlos in Holland

AZ Alkmaar vs. ADO Den Haag 2:0 (1:0)
19. August 2017, AFAS-Stadion, 12.748 Zuschauer, Eredivisie 2017/18

An einem Freitagabend geht es nach Alkmaar zum Kick von AZ gegen Den Haag. Da ich mit Auto anreise und mich in der Umgebung nicht auskenne, wird ein Stadion-naher, leider kostenpflichtiger Parkplatz anvisiert. Ein Parkticket für 5 EUR, was optisch mehr hermacht als so manche Eintrittskarte, klemme ich mir auf die Ablage und dackel meine 15 Minuten zum Stadion. Das Rund macht außen wie innen einen hübschen Eindruck. Dass es hier vor vier Jahren bei einer Europa League Partie unterm Dach brannte, habe ich zum Glück erst später gelesen.
In den Niederlanden ist ja die Clubkaart gängige Praxis, daher habe ich den Verein vorab angeschrieben und eine Mail später hatte ich mein Ticket für 24 Euro.

Eine Stunde vor dem Ankick ist hier nichts los, einzig die Beschallung dröhnt wie bekloppt, aus den Lautsprechern hört man sicherlich noch über die Nordsee hinweg in Norwich.

AZ Alkmaar etwas bekannt auf der europäischen Bühne, und ADO Den Haag, puh, da macht nur die Stadt als Namensgeber für einen Muff Potter Song Klick sowie der Angriff der Deutschen zu Beginn des Zweiten Weltkriegs. Aber sonst? Die Vereine? Nee.

Bei den Gästen spielt Melvin Lorenzen, ehemalige Werderaner. Aber dass der hier Stammspieler ist, spricht für sich. Das er hier nicht glänzt (frühere Version: „‘ne Pflaume ist“), auch.

Spielerisch schaut das jedoch ganz gut aus, der Ball macht ordentlich Meter auf dem kurzgeschorenen Grün (Natur oder Kunst?) und nach einer Viertelstunde stehen nach einem Gästefreistoß 4 Störche am zweiten Pfosten und einer nickt zur Führung ein. Denkste! Der Keeper fährt mit ‘nem Wahnsinnsreflex seine rechte Hufe raus und kratzt die Murmel von der Linie.
Nach einer halben Stunde gibt es auf der anderen Seite Ecke. Kurz nach der Ausführung zeigt der Schiri auf dem Punkt und einem Gästespieler die gelb-rote Karte. Begründen kann er es nicht so richtig. Die „Gesprächs“-versuche werden nochmal mit eins, zwei gelben Karten getadelt. Nachdem der Schuldige vom ganzen Publikum verabschiedet wird, liegt der Elferball im Netz und AZ in Führung.
Aber auch einzig in dieser Situation ist etwas Stimmung in der Bude. Davor und danach ist es salopp gesagt langweilig. In der Heimkurve trällern ab und an mal ein paar Leute rum, ansonsten ist wenn dann nur der 200 bis 250 Mann starke Mob zu hören und mit Fahnenschwenkerei beschäftigt.

Nach dem Platzverweis wirken diese Gäste sehr überfordert und können in der Folgezeit nur mit Mühe und Not weitere Gegentreffer vermeiden. Hinten gleicht das dem Schwimmunterricht in der Grundschule – orientierungslos und hauen sich beim Hundepaddeln gegenseitig auf die Mütze.
Von außen würde man vielleicht dazu raten die offensive Dreierreihe aufzulösen, um in der Defensive für Stabilität zu sorgen, aber was geht mich fremdes Elend an.

In der Pause entleeren sich die arg schwarzen Wolken über dem Stadion und ich verziehe mich in die Bar und ans Pissoir, wo anschließend der eine oder andere weiß-blaue Kleber an den Fließen hängt. Na sowas.

Nach dem Seitenwechsel kombiniert sich Alkmaar sehenswert auf rechts bis in den Strafraum und der Schütze kriegt es tatsächlich fertig das Leder über den leeren Kasten zu legen. Den muss man erstmal nicht machen.
Und dasselbe Kunststück gelingt ihnen paar Minuten später nochmal. Kruzifix. Aber statt „wer sie vorne nicht macht und so weiter“, fällt dann nach ca. 70 Minuten doch nach einer eher nicht berechtigten Ecke das erlösende Zweizunull. Das ist auch der Startschuss für viele Toshower die heimischen vier Wände aufzusuchen. Mit dem Schlusspfiff ist das Stadion halbleer. Ich werde es nie verstehen.

Nach dem Spiel geht es dann im Dunkeln mit dem Rest raus in die freie Wildbahn Richtung Parkplätze und obwohl die Verkehrslage und die Verkehrsleitpersonen chaotisch wirken, bin ich nach 20 Minuten auf der Piste auf dem Weg zu meiner Familie.

 

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